Mittwoch, 12. Januar 2011

Verfolgung von UmweltaktivitInnen in Piura

Ende des Jahres 2010 war Fidel Torres noch in Deutschland und berichtete aus erster Hand über die sozialen Proteste der Bevölkerung in Piura gegen das Bergbauprojekt Río Blanco. Nun müssen er und seine MitstreiterInnen befürchten wegen juristisch fadenscheiniger Konstruktionen durch die staatlichen Repressionsorgane in Perú ihrer Freiheit beraubt zu werden. Anlass war die Verhaftung und Verurteilung von Mario Tabra Guerrero, eines der bekanntesten Aktivisten gegen das Río Blanco Projekt. Mario Tabra wurde nun von einem Gericht der Provinz Huancabamba zu 13 Jahren Haft verurteilt. In der richterlichen Begründung wird er beschuldigt einem Polizisten die Waffe gestohlen und damit auf ihn geschossen zu haben. Das ganze Verfahren gegen Mario Tabra und 35 weitere Menschen, die sich in der sozialen Bewegung gegen den Bergbau engagieren, ist von Widersprüchen geprägt.

Mario Tabra Guerrero (Quelle : upsidedownworld.org)

Ausgangspunkt war die Entführung und Folter von Mario Tabra sowie 27 weiteren kritischen AktivistInnen in 2005. Zu den Verschleppten gehörten neben dem Lehrer Tabra, auch JournalistInnen und BauernführerInnen. Für die Entführung sind Angestellte des privaten Sicherheitsunternehmens FORZA, welches u.a. für das britische Bergbauunternehmen Montericco Metals arbeitet und Beamte der staatlichen Antiterrorspezialeinheit DINOES verantwortlich. Sie verhafteten die 28 Personen, schleppten sie in ein provisorisches Lager und folterten sie dort drei Tage lang physisch und psychisch. Einer der Verschleppten, der Bauer Melanio García Gonzales, überlebte die Folter nicht.

Video zu den Übergriffen von FORZA und DINOES (englisch)

Nach der Veröffentlichung von Foto- und Videobeweise, auf denen die uniformierten Sicherheitskräfte mit ihren Opfern posieren, verurteilte ein peruanisches Gericht 2009 einige der Polizisten. Die privaten Sicherheitsleute der FORZA wurden allerdings freigesprochen. Daraufhin verklagten 13 der Opfer das Unternehmen Montericco Metals in Großbritanien wegen Menschenrechtsverletzungen. Das Verfahren läuft noch, aber die Richter halten die Anschuldigungen für so gravierend, dass sie im Juli 2009 Vermögenswerte des Unternehmens einfroren. Montericco Metals streitet ab, dass Angestellte der Mine an den Übergriffen beteiligt gewesen sind.

Slogan an einer Hauswand in Ayabaca

Die AktivistInnen ließen sich von den Repressionen nicht einschüchtern und organisierten in 2007 erfolgreich ein Bürgerreferendum bei dem 97 Prozent der betroffenen Bevölkerung gegen das Bergbauprojekt votierte. Daraufhin erhöhte der Staat den Verfolgungsdruck. Um die soziale Bewegung gegen den Bergbau in Piura zu kriminalisieren, ließen staatliche Organe über 300 am Referendum beteiligte AktivistInnen entweder bedrohen oder es wurden Anklagen konstruiert, um die Umweltschützer und Menschenrechtler juristisch verfolgen zu können.

Blick auf die Stadt Ayabaca/Departemento Piura

In 2009 kam es zu einem Überfall auf ein Lager von Minenarbeitern der Río Blanco Mine bei dem drei Menschen getötet wurden. Obwohl die Motive und die Täter bisher nicht ermittelt werden konnten, beschuldigten die staatlichen Organe die Mitglieder der Umweltbewegung und unterstellten, sie hätten in Kooperation mit sogenannten Narcotraficos (Drogenschmugglern) den Überfall verübt. Daraufhin wurde Mario Tabra verhaftet und das Gericht rollte die Anschuldigungen vom angeblichen Diebstahl und der Benutzung der Polizeiwaffe von 2005 wieder auf.

Der einzige Zeuge der Anklage gegen Mario Tabra ist der DINOES Kapitän Carlos Castañeda Rojas, der 2009 von einem peruanischen Gericht wegen der Entführung und Folter eben jener 28 AktivistInnen und wegen Totschlags an Melanio García Gonzales verurteilt wurde.


kurzes Infovideo zur Problematik in Piura

Ein Interview mit Mario Tabra auf englisch findet sich hier.

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